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Art Boys Collection Bio
Die erste Band von Mostrocker Gerhard Egger (1970-1973)

Bevor Gerhard Egger in die Band eintrat, war sie eine der damals üblichen Cover-Beatbands, nannte sich „The Boys“ und präsentierte sich in geschniegelten, kakibraunen, uniformen Zweireiheranzügen mit Krawatte und kurzgeschorenen Rundumfrisuren, und zwar in diversen Tanzlokalen und auf Feuerwehrfesten im österreichischen Innviertel.

Die auf den Schallträgern zu hörende Entwicklung begann erst, als der Drummer und Leadvocalist Hans Joachim Holz 1970 bei einer Studentensession in Linz auf Egger als Singersongwriter aufmerksam wurde. Er meinte damals, er suche einen Gitarristen und Sänger für seine Band und sei von dessen Musik äußerst angetan. Leider wären sie selbst nicht in der Lage, eigene Stücke zu schreiben.

Der Name „The Boys“ und die Bühnenuniformen lagen Egger schwer im Magen. Nachdem er Namens- und Imageänderung zu Bedingungen seines Mitwirkens gemacht hatte, entwickelten sie während einer Vorlesung im gemeinsamen Brainstorming den Namen „Art Boys Collection“ und einigten sich darauf, sowohl privat als auch auf der Bühne dem damaligen Trend entsprechend individuelles Flower-Power-Outfit zu tragen.

Nach einigen gemeinsamen Live-Gigs in amerikanischen GI-Clubs in Bayern besorgten sich ABC eine Stereo-Tonbandmaschine, mieteten einen Kinosaal und spielten live die ersten von Egger extra für die Gruppe komponierten und getexteten Songs ein. Die Arrangements wurden
beatleslike gemeinsam erarbeitet. Leadstimme, Chorsatz und Gitarrengrundriffs wurde vom Komponisten vorgegeben, dazu bearbeitete Walter Holz auf unnachahmliche Weise seine Hammond L100 und Hans Aigner in unauffälliger, ruhiger Art seinen E-Bass. Am meisten aber war Egger davon fasziniert, dass Gitarrist Gerhard Bauer, Drummer Hans Joachim Holz und er wie die Beatles mit drei Leadvocals arbeiten konnten.

Bereits 3 Monate später standen sie sensationellerweise im damaligen Austrophon-Studio im Wiener Konzerthaus und produzierten ihre erste Singel „Lemon Tree“ / „A Walk In The Rain“ auf einer Studer- 4- Spur Maschine. Eine Aufnahmemaschine gleichen Typs wurde von den Beatles für das legendäre Sgt. Pepper-Album verwendet. Instrumente und Gesang wurden getrennt in jeweils einem Take aufgenommen. Der umtriebiger Organist Walter Holz hatte es geschafft, mit Hilfe der Demobänder einen Deal mit der Wiener Plattenfirma Lesborne in die Wege zu leiten.

Wieder einige Wochen danach lief die Single im Powerplay auf dem österreichischen Hitsender Ö3, und ABC waren plötzlich in aller Munde. Daraus folgte ein Angebot der Berliner Firma Interpop. Die Produktion der Single „Life is a Dream“/“United Blues Generation“ wurde in München abgewickelt, das Ergebnis aber wegen presstechnischer Fehler nie veröffentlicht.

Sie kehrten darauf nach Wien zurück und produzierten die Single „Jesus said „/ „Station Nowhere“, die nach Powerplay auf Ö3 einige Wochen Spitzenpositionen in den Ö3-Charts belegte. Dazu rekrutierten sie 3 Freundinnen von Bandmitgliedern als Chorsängerinnen. Nach einem TV-Auftritt in der damaligen Hitsendung „Spotlight“ und einer von Ö3 unterstützten Tour durch Österreich und Bayern schien dem internationalen Erfolg nichts mehr im Wege zu stehen.

Als vierte Single wurde „Freedom-voice of my soul“/ „All My Life“ publiziert. Während „Freedom“ gerade in Ö3 und in den Charts anlief, kam es zu unsäglichen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Gruppe und wichtigen Leuten des Senders, die einen Boykott zur Folge hatten. Die Plattenfirma Lesborne hielt jedoch zu den Künstlern und bot an, ein Album zu produzieren.

Zu dieser Zeit wurde Egger von einer anderen Band umworben, die aus hervorragenden Musikern bestand. Wegen des Rundfunk-Boykotts und der von ihm nicht goutierten Hinwendung von ABC zu Hardrock-Coverversionen beschloss er, das Angebot anzunehmen und die Art Boys zu verlassen. Die Möglichkeit einer Album-Produktion wollte er sich jedoch nicht entgehen lassen. Schließlich gab es damals außer der Kultband „Eela Craigg“ keine Musikgruppe in Oberösterreich, die einen eigenen Longplayer hatte.

Also schrieb er die weiteren Songs für das Album, das sie dann gemeinsam mit seinem zukünftigen Nachfolger, dem Gitarristen Hubert Perfahl, in gewohnter Manier erarbeiteten und einspielten. Die Produktion erregte bei den Fans großes Aufsehen, konnte aber aufgrund des Rundfunkboykotts nicht an den Erfolg der Singles anschließen.

Dass die verbliebenen Art Boys mit seinem Ausstieg keine rechte Freude hatten, kann man an der Platzierung und Größe seines Fotos auf der Cover-Innenseite von „stoned-wall“ erkennen, das in keiner Weise seiner Bedeutung für das Gesamtprojekt entspricht. Schließlich wurden sämtliche Songs der Band von ihm komponiert und getextet, mit Ausnahme der zwei im Fifty-Style, die Hans Joachim Holz von einer Amerikareise mitgebracht hatte.

Nach zwei unglaublichen Jahren auf der Hochschaubahn war die Sache mit seinem Weggang gelaufen. Art Boys Collection spielten zwar noch einige Jahre ihre Hardrock-Covers im Vorprogramm von Bands wie Golden Earring und Deep Purple, aber aus der Kreativecke kam nichts mehr, da keiner der verbliebenen Musiker in der Lage war, Songs bzw. zündende Kreativität zu liefern. Eggers Wechsel erwies sich übrigens als absoluter Flop, da mit der neuen Band aus disziplinären Gründen kein Erfolg möglich war. Es war wie beim Fußball: Bessere Einzelspieler müssen noch lange keine bessere Mannschaft ergeben.

Danach arbeitete er als Songwriter für diverse Austro-Stars wie Waterloo und Robinson oder Wilfried, eröffnete mit Freunden das Tonstudio Ringstraße in Wels und begann 1985 mit seinem Crossover-Projekt „Gerhard Egger & die Mostrocker“ den Weg für eine neue Musikrichtung zu bereiten, die später als Alpinrock durch Hubert von Goisern in den Neunzigern international bekannt wurde. Mittlerweile hat er einige Projekte verwirklicht und CD´s veröffentlicht, die im deutschsprachigen Raum äußerst erfolgreich waren. Das insgesamt 8. Album mit dem Titel „SchonZeit“ kam im Frühjahr 2004 auf den Markt. Es handelt sich dabei um eine zeitgemäße Bearbeitung sowie Vertonung von Texten des oberösterreichischen Dialektdichters Franz Stelzhamer.